Edward Gorey Doodle zu dessen 88. Geburtstag 1

Am heutigen Freitag dem 22. Februar 2013 überrascht die Suchmaschine Google seine Nutzer wieder einmal mit einem Doodle. Diesmal wird der amerikanische Schriftsteller und Illustrator Edward Gorey zu seinem 88. Geburtstag geehrt. Edward Gorey wurde vor allem durch seine schwarzweiß schraffierten Zeichnungen bekannt mit denen er nicht nur seine eigenen Werke, sondern auch Bücher Anderer Autoren durch  kurzer Geschichten in Comicform illustrierte.

edward gorey google doodle

Edward Gorey hießt mit vollem Namen Edward St. John Gorey und wurde am 22. Februar 1925 in Chicago, Illinois geboren. Edward Gorey verstarb am 15. April 200o in Hyannis, Massachusetts im Alter von 75 Jahren.

Goreys eigene Geschichten sind in skurrilem Humor gehalten und weisen Beziehungen zur Nonsens- und Kinderliteratur auf. Häufig handeln sie von ausdruckslosen Personen im späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert, denen absurde und makabre Dinge zustoßen. Charakteristisch für Goreys Werke ist der nüchterne Ton des Textes, der zusammen mit den Zeichnungen oft einen reglosen, finsteren Eindruck vermittelt. Zu seinen bekanntesten Werken zählen The Doubtful Guest (1957) und The Gashlycrumb Tinies (1963).

Das Leben von Edward Gorey

Edward Gorey war das einzige Kind des Zeitungsreporters Edward Leo Gorey und seiner Frau Helen, geb. Garvey. Die Eltern förderten das Zeichentalent des jungen Gorey. Dennoch lernte er weitgehend im Selbststudium zu zeichnen; nach dem Abschluss der High School besuchte er lediglich 1943 ein Semester lang samstags einen Lehrgang am Art Institute of Chicago. Von 1944 bis 1946 arbeitete Gorey in der Armee als Angestellter am Waffentestgelände Dugway Proving Ground in Utah. Daraufhin schrieb er sich an der Harvard University ein, wo er 1950 mit einem Bachelor of Arts in Französisch abschloss.

Nachdem er in Boston bei verschiedenen Buchhändlern tätig war, arbeitete Gorey von 1953 bis 1960 in New York als Autor sowie als Illustrator für den Verlag Doubleday. 1953 veröffentlichte er sein erstes Buch, The Unstrung Harp, ein Jahr später folgte The Listing Attic. Diese ungewöhnlichen Werke fanden bei einem neugierigen Kreis von Lesern und New Yorker Intellektuellen Anklang. Mit der Veröffentlichung von The Doubtful Guest durch Doubleday drei Jahre später wurden seine Werke auch Kindern und Erwachsenen außerhalb New Yorks bekannt. Von Goreys ersten vier Büchern wurden nur je etwa 1500 Exemplare verkauft, und er wechselte oft den Verleger. Manchmal verlegte er die Bücher selbst unter dem Imprint  Fantod Press.

Größere Beachtung erfuhren Goreys Werke, nachdem Edmund Wilson 1959 für das Magazin The New Yorker Goreys Zeichnungen mit denen von Max Beerbohm und Aubrey Beardsley verglich. 1959 gründete Gorey die Looking Glass Library,einen auf Kinderbücher spezialisierten Imprint des Verlags Random House.

In den 1960er Jahren begann Gorey damit, einige seiner Geschichten vor der Bucherscheinung in Zeitschriften zu veröffentlichen, so etwa Leaves From A Mislaid Album in First Person (1960) oder The Willowdale Handcar und The Evil Garden imHoliday Magazine (1962/1965). Ab 1965 wurden seine Werke regelmäßig von Kunsthochschulen und -einrichtungen ausgestellt.

In den 1970er Jahren konzentrierte sich Gorey auf Geschichten für Erwachsene, verdiente aber weiterhin seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit der Illustration von Büchern anderer Autoren. Der Diogenes Verlag begann 1972 damit, einige seiner frühen Werke in deutscher Übersetzung zu veröffentlichen; die Illustrationen auf zahlreichen Bucheinbänden des Verlags sind seinen Werken entnommen. Zunehmend experimentierte Gorey mit ungewöhnlichen Buchformaten und neuen Möglichkeiten, Text und Zeichnung zu verbinden, so etwa schrieb er 1982 das Pop-up-Buch The Dwindling Party.

Gorey hielt mehrere Katzen, interessierte sich für Stummfilme, viktorianische Romane sowie japanische und chinesische Literatur und sah sich regelmäßig George Balanchines Aufführungen am New York City Ballet an; alle diese Interessen waren auch eine Quelle der Inspiration für seine Werke. Gorey besuchte häufig Cape Cod, wo auch Familienmitglieder und Freunde ansässig waren. Zeitweise wohnte er während der Sommermonate in Barnstable, bevor er 1988 von Manhattan nach Yarmouth Port nahe bei Barnstable zog. Seitdem beschäftigte er sich vor allem mit Theaterproduktionen, sowohl als Bühnen- und Kostümdesigner als auch als Autor einiger Theaterstücke. Gorey starb am 15. April 2000 unverheiratet und kinderlos im Cape Cod Hospital in Hyannis an einem Herzinfarkt. Sein Wohnhaus, genannt Elephant House, ist heute ein Museum, in dem sein Leben und Werk dokumentiert wird.

Die Bücher des Edwar Gorey

Bis auf wenige Ausnahmen sind Goreys mehr als 100 eigene Bücher kurze Erzählungen in Form einer Bilderfolge mit jeweils kurzen Texten als Prosa oder Gedicht. Die Geschichten scheinen im späten viktorianischen oder im edwardianischen Zeitalter, oft in wohlhabender Umgebung mit herrschaftlichen Villen und formell gekleideten, ausdruckslosen Personen aus der Oberschicht zu spielen. Durch die reglose, meist düster schwarzweiße Atmosphäre der Zeichnungen, die Schauplätze aus einer vergangenen Zeit und den knappen, in kühlem Ton gehaltenen Text entsteht der Eindruck, es würde ein „Paralleluniversum“, das ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten und Eigenschaften gehorcht, betreten.Edmund Wilson bezeichnete Goreys Werke als „amüsant und düster, wehmütig und klaustrophobisch, gleichzeitig poetisch und vergiftet.“

Stets geschieht in Goreys Geschichten etwas Unvorhergesehenes: Personen werden von merkwürdigen Gestalten heimgesucht, verschwinden oder erleiden plötzlich abstruse Unglücke. Kinder werden besonders oft zum Opfer; eines von Goreys bekanntesten Büchern, The Gashlycrumb Tinies, zählt in naivem Paarreim die tödlichen Schicksale von 26 kleinen Kindern in alphabetischer Reihenfolge auf. Dennoch ist der Gesamteindruck von Goreys Geschichten nicht tragisch, sondern aufgrund des ironischen Untertons komisch. Die Werke wurden auch als „postmoderne Märchen“ bezeichnet; einige können als – wenn auch nach heutigen Maßstäben unkonventionelle – Kinderliteratur gelten. Der Bezug zum Nonsens ist mehr oder weniger stark ausgeprägt.

Bezüge zur Kinderliteratur

Zur Frage, ob Goreys Werke als Kinder- oder als Erwachsenenliteratur gelten können, gibt es ob des oftmals makabren Inhalts unterschiedliche Einschätzungen. Nachrufe und Kritiken reichen von der Behauptung, Gorey sei kein Autor von Kinderbüchernbis hin zur Aussage, dass seine Bücher für Kinder ideal seien. Gorey, der zeitlebens Kinderliteratur illustrierte und 1965 an der Universität einen Kurs über Kinderliteratur leitete, äußerte sich widersprüchlich zur Zielgruppe seiner Werke. Einmal behauptete er, er habe viele seiner eigenen Werke in erster Linie für Kinder geschrieben; ein anderes Mal zeigte er sich verwundert, dass Kinder seine Bücher mochten, da er doch nur Erwachsene im Sinn hatte.

Kevin Shortsleeve sieht den Grund für den mangelnden Ruf Goreys als Kinderbuchautor sowohl in dessen Unwillen, für seine Werke zu werben als auch in der Art und Weise, wie seine Werke veröffentlicht wurden. Die Verleger der Amphigorey-Sammelbände hätten Kinder nicht als Zielgruppe betrachtet, weshalb die Bände für Kinder geeignete Geschichten mit solchen, die als ungeeignet gelten könnten, mischen würden. Gorey habe seine Geschichten nicht für unangemessen gehalten, da er begriffen habe, dass frühere Kinderliteratur oftmals grausam war, so etwa einige von Grimms Märchen. Tatsächlich könnten Kinder – die ohnehin gewalttätige Literatur schätzen würden – Goreys Werke als Parodien auf die zahlreichen Kindergeschichten mit gutem Ausgang auffassen und durch das Lesen von Gorey ihre Reife demonstrieren. Auch seien einige der Schicksale von Kindern, wie sie Gorey beschreibt, plausibel; Kinder könnten sich von diesen erfrischend brutalen, realitätsnahen Schilderungen angesprochen fühlen.

Einige von Goreys Geschichten ähneln Kinderbüchern mit warnenden und abschreckenden Beispielen, wie sie beispielsweise von Wilhelm Busch, Heinrich Hoffmann (Struwwelpeter) und Hilaire Belloc (Cautionary Tales for Children) veröffentlicht wurden. Das Buch The Stupid Joke etwa erzählt von einem Jungen, der sich zum Leidwesen seiner Familie einen Spaß daraus macht, den ganzen Tag im Bett zu bleiben, und den schließlich ein böses Ende ereilt. Die furchtbaren Konsequenzen des kindlichen Ungehorsams erwecken bei Gorey stets einen normalen und wenig tragischen Eindruck.

Humor und Parodie

Obwohl Gorey mangels jeglicher moralischer Stellungnahme in seinen Werkeneher als Humorist denn als Satiriker bezeichnet werden kann, machte er Gebrauch von satirischen Stilmitteln wie Ironie und Parodie. In The Unknown Vegetablewird die vollkommene moralische Leere selbst zum Gegenstand der Ironie. Die Geschichte, in der eine junge Frau ohne ersichtlichen Grund neben einer Pflanze ein Loch schaufelt und darin verschüttet wird, endet mit den Worten “There is a moral to this fable/Of an unknown vegetable”.

Laut Steven Heller parodieren Goreys Figuren die Umgangsformen des viktorianischen Zeitalters, „jener zwanghaft moralischen Zeit – und im weiteren Sinne die Absurditäten der Gegenwart“. Der Humor in Goreys Werken kann auch als eine moderne Art des schwarzen Humors betrachtet werden, der sich auf eine ironische Umkehrung des im viktorianischen Zeitalter verbreiteten Sentimentalitätskultes gründet. Da man im 19. Jahrhundert Todesfälle nicht so leicht Krankenhäusern und Pflegeheimen überlassen konnte, sondern mit ihnen im eigenen Haus zurechtkommen musste, wurde der Tod auf sentimental-fromme Weise idealisiert. Gorey persiflierte und parodierte diese Haltung besonders offensichtlich in The Gashlycrumb Tinies sowie in der im Stil puritanisch-moralistischer Kinderliteratur gehaltenen Geschichte The Pious Infant. Die Komik der kindlichen Unglücke gründet sich außerdem auf der ironischen Verarbeitung des Motivs elterlicher Fürsorge. In The Gashlycrumb Tinies scheinen die Eltern zugleich anwesend und abwesend zu sein, da die Kinder einerseits gut gepflegt sind, die Unglücke andererseits offenbar auf mangelnde Fürsorge zurückgehen. Betont wird dieser Gegensatz durch die adrette Kleidung der Kinder und die luxuriösen Innenräume, in denen sie ihr Ende finden.

Wim Tigges sieht in Goreys Werken ein „perfektes Gleichgewicht zwischen Existenz und Nichtexistenz von Humor“, denn Sätze wie „In den nächsten zwei Jahren töteten sie drei weitere Kinder, aber nie war es so erheiternd wie beim ersten Mal“ (aus The Loathsome Couple) erzeugen einen inneren Gegensatz, der einen zwischen Belustigung und Abscheu schwanken lässt. Goreys Werke haben aber nicht nur makabre Vorfälle, sondern oft nur bizarre Ärgernisse zum Inhalt. Auf die Frage, ob er sich über die Wirkung seiner Geschichten bei den Lesern Gedanken mache, antwortete Gorey, er hoffe, seine Werke seien gewissermaßen „leicht beunruhigend“

Nonsen und Wortspiele

Etwa die Hälfte von Goreys Werken besteht aus Reimen oder aus kurzen, alliterierenden Sätzen. Nonsens ist ein häufiger Bestandteil von Goreys Geschichten; das Wort amphigory, auf dem die Titel von Goreys Sammelbänden basieren, bedeutet ‚Unsinnsgedicht‘. Die Sprachmelodie der Verse, die spielerischen Reime und die Nonsens-Limericks ähneln den Werken Edward Lears, sind aber „schwärzer“. Gelegentlich scheinen sie Lebensfreude und Tod zu vereinen, wie etwa im letzten Vers aus The Wuggly Ump, in dem ein Ungeheuer drei Kinder frisst: „Sing glogalimp, sing glugalump, From deep inside the Wuggly Ump“.

Die „komische Morbidität“ von Goreys Geschichten wurde mit CharlesAddams’ Cartoons verglichen. In Goreys „finsterem“ Nonsens und grausamen Humor liegt auch der größte Unterschied zur Nonsens-Kinderliteratur von Dr. Seuss, in der Fröhlichkeit und Optimismus überwiegen. Allerdings bauen sowohl die Nonsenstexte als auch die Reimpaare eine Distanz zum gewalttätigen Inhalt auf. Gorey selbst sah keine Alternative zu „abscheulichem“ Nonsens, denn „sonniger, fröhlicher“ Nonsens sei langweilig. Goreys trockene Beschreibungen unwahrscheinlicher Ereignisfolgen weisen auch Parallelen zu dadaistischen und surrealistischen Gedichten auf. Zwar sah sich Gorey in der Tradition der surrealistischen Theorie, war aber den meisten Kunstwerken des Surrealismus abgeneigt.

Ein häufiges Element in Goreys Werken ist die trockene Erwähnung ausschmückender, aber etwas fehl am Platz anmutender Details. In Goreys Erstlingswerk The Unstrung Harp, in dem der Schriftsteller Mr. Earbrass an seinem neuen Buch schreibt, finden sich unter anderem folgende Beispiele:

For writing Mr Earbrass affects an athletic sweater of forgotten origin and unknown significance; it is always worn hind-side-to. Zum Schreiben bevorzugt Mr. Earbrass einen sportlichen Pullover, dessen Herkunft vergessen und dessen Bedeutung unklar ist. Er wird stets verkehrt herum getragen.

 

He is alarmed not to have thought of a plot to which The Unstrung Harp might apply, but his mind will keep reverting to the last biscuit on the plate. Er ist beunruhigt darüber, dass ihm noch keine Handlung eingefallen ist, zu der Eine Harfe ohne Saiten passen würde, doch seine Gedanken kehren immer wieder zum letzten Plätzchen auf dem Teller zurück.

 

Several weeks later, the loofah trickling on his knees, Mr Earbrass mulls over an awkward retrospective bit… Einige Wochen später, den tropfenden Luffaschwamm auf den Knien, grübelt Mr. Earbrass über eine heikleRückblende

Gorey versuchte nach eigener Aussage irrelevante und unpassende Ideen auszudrücken, um die Einbildungskraft des Lesers nicht durch konkrete Sinnzusammenhänge einzuschränken. Das Buch L’heure bleue, eine Reihe sinnfreier und teils syntaktisch widersinniger Dialoge zwischen zwei Hunden, erinnert an Gertrude Steins experimentelle Textsammlung Tender Buttons. Laut Van Leeuwen kann Goreys Werk nicht als „reiner“ Nonsens bezeichnet werden, da es „nicht die Komik paradoxer Gedankengänge, sondern die Nichtigkeit paradoxer Gemütsbewegungen“ darstellt.

Gorey schrieb häufig unter Pseudonymen, oft Anagrammen seines eigenen Namens. Gelegentlich entlehnte er Titel, Untertitel oder Personennamen der französischen, deutschen und italienischen Sprache. Mehrere Werke sind in Alphabetform gehalten und scheinen durch ihre oberflächlich moralisch klingenden, aber inhaltlich belanglosen Texte frühe ABC-Bücher zu parodieren, so zum Beispiel The Chinese Obelisks (1972), The Glorious Nosebleed (1974) oder The Eclectic Abecedarium(1983).

Geschichten wie The Raging Tide, bei der der Leser sich selbst eine Handlungssequenz aufbauen kann, und Bücher in ungewöhnlichen Formaten – ohne Text, in Daumengröße oder als Faltbuch – weisen eine Nähe zur postmodernen Literatur auf, die durch Selbstreferenzialität ausdrücklich auf ihre Form hinweist.

Weitere Informationen über Edward Gorey erhalten sie im Edward Gorey Wiki  auf Wikipedia.

Das könnte dich auch interessieren:

Edward Gorey Doodle zu dessen 88. Geburtstag: 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
5,00 von 5 Punkten, basieren auf 16 abgegebenen Stimmen.
Loading...

Diese Seite bewerten

One comment on “Edward Gorey Doodle zu dessen 88. Geburtstag

  1. Pingback: Arthur Schopenhauer Doodle zu dessen 225. Geburtstag | SEO News online

Leave a Reply